Białowieża ist der letzte größere Rest des Tieflandurwalds, der einst die europäische Ebene bedeckte, und reicht über die polnisch-belarussische Grenze. Er überdauerte, weil er seit dem 15. Jahrhundert königliches und später zaristisches Jagdrevier war, dessen Wächter niemanden hineinliessen. UNESCO-Welterbe auf beiden Seiten der Grenze.
Die Kernzone
Der Kern des Nationalparks darf nur mit lizenziertem Führer betreten werden, in kleinen Gruppen und auf festgelegter Route. Der Unterschied zum gewöhnlichen Wald ist nach wenigen Metern offensichtlich: mehrere Jahrhunderte alte Eichen, zum Zerfall liegen gelassene Stämme und fünf Vegetationsschichten. Über 12 000 Tierarten leben hier, darunter 25 Fledermaus- und neun Spechtarten.
Wisente
Der Wisent starb 1919 in freier Wildbahn aus, als das letzte Tier im Wald erschossen wurde. Die Art wurde aus gut fünfzig Zootieren zurückgezüchtet, die erste Auswilderung erfolgte 1952. Heute leben auf polnischer Seite rund achthundert frei. Im Winter, wenn sie zu den Fütterungsstellen kommen, sind die Chancen am größten; im Schaugehege sind sie ganzjährig zu sehen.
Der Streit
Verstärkter Holzeinschlag 2016 und 2017, begründet mit einem Borkenkäferbefall, führte zu Protesten, Blockaden und einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs, wonach Polen EU-Recht verletzt hatte. Der Streit darüber, wie viel Wald streng geschützt sein soll, dauert an. Eine an der Ostgrenze errichtete Mauer zerschneidet zudem Lebensräume.
Biebrza
Hundert Kilometer nördlich liegt der Biebrza-Nationalpark, der größte Polens, der die besterhaltenen Flusstal-Moore Mitteleuropas schützt. Die Frühjahrsüberschwemmungen ziehen Kampfläufer, Seggenrohrsänger, Schreiadler, Kraniche und Störche an. Es ist einer der wichtigsten Vogelbeobachtungsplätze des Kontinents, und im April kommen Ornithologen aus ganz Europa. Elche sieht man regelmäßig.
Narew und Podlachien
Der Narew-Nationalpark heißt wegen des vielarmigen Flusslaufs polnischer Amazonas. Rundherum liegt Podlachien: Dörfer mit Holzarchitektur, orthodoxe Kirchen, Tatarenmoscheen in Kruszyniany und Bohoniki und eine Küche, die sich vom Rest des Landes unterscheidet.
Praxis
Białowieża liegt vier Autostunden von Warschau. Führer müssen vorab gebucht werden. Das Gebiet liegt in einer Grenzzone, in der zeitweise Zugangsbeschränkungen gelten; prüfen Sie die aktuellen Regeln vor der Anreise.