Warschau ist seit 1596 Hauptstadt und die im 20. Jahrhundert am gründlichsten zerstörte Großstadt Europas. Nach dem Warschauer Aufstand 1944 sprengten die Deutschen systematisch, was übrig war; etwa 85 Prozent der Bebauung am linken Weichselufer wurden vernichtet.
Der Wiederaufbau
Die Altstadt entstand zwischen 1949 und 1963 neu, nach Vorkriegsplänen, Fotografien und den Veduten Bernardo Bellottos aus dem 18. Jahrhundert, der Fassadendetails mit einer Genauigkeit festgehalten hatte, die niemand zu diesem Zweck geplant hatte. Die UNESCO nahm das Ensemble 1980 gerade deshalb auf. Das Königsschloss folgte ab 1971, finanziert durch Spenden.
Museen
Das Museum des Warschauer Aufstands erzählt die 63 Tage der Kämpfe dicht und laut und ist das meistbesuchte Museum der Stadt. POLIN, das Museum der Geschichte der polnischen Juden, steht auf dem Gebiet des Ghettos und behandelt tausend Jahre Präsenz, nicht nur deren Ende; es gehört zu den besten narrativen Museen Europas. Dazu das Nationalmuseum, die Zachęta und das neue Museum für Moderne Kunst.
Der Kulturpalast
Stalins Geschenk von 1955, 237 Meter hoch, jahrzehntelang das höchste Gebäude Polens und Gegenstand eines nie endenden Streits darüber, ob es stehen bleiben soll. Die Aussichtsterrasse im dreißigsten Stock bietet den besten Blick auf die Stadt, auch weil man von dort den Palast selbst nicht sieht.
Parks und Paläste
Der Łazienki-Park umfasst achtzig Hektar mit dem Palast auf der Insel, einem Amphitheater und dem Chopin-Denkmal, an dem im Sommer sonntags Freiluftkonzerte gespielt werden. Wilanów, die barocke Residenz Jan III. Sobieskis, überstand den Krieg und hat Gärten und Sammlungen. Der Powązki-Friedhof von 1790 ist ein Kapitel für sich.
Die Weichsel
Das rechte Ufer ist weitgehend naturbelassen und Natura-2000-Gebiet, was für die Hauptstadt eines großen Landes ungewöhnlich ist. Die Boulevards am linken Ufer wurden nach 2015 umgebaut und sind im Sommer der Treffpunkt der Stadt. Praga auf der rechten Seite überstand den Krieg und hat die Vorkriegsmietshäuser, die dem linken Ufer fehlen.
Praxis
Zwei U-Bahn-Linien, ein dichtes Straßenbahnnetz und ein Zug vom Chopin-Flughafen in zwanzig Minuten ins Zentrum. Die Stadt ist weitläufig, also planen Sie nach Stadtteilen.